Variieren statt zerpflücken

Variieren statt zerpflücken

"Western und Hagen"
Variieren statt zerpflücken

LANGENFELD. "Wir wollten ausprobieren, wie die Westernhagen-Musik aus den 80ern im Jahr 2006 ankommt." Sänger und Gitarrist Mike Gromberg (39) bringt mit wenigen Worten die ursprüngliche Idee der Tributband "Western und Hagen" auf den Punkt. Dass das Publikum bei ihrem Debütkonzert in Düsseldorf jede Zeile der gecoverten Stücke von Deutschrocker Marius Müller-Westernhagen lauthals mitsingen würde, hätten aber selbst die Langenfelder vorher nicht vermutet. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn man von der Bühne geht und von links und rechts Leute auf einen zukommen, die die Band für einen Auftritt buchen wollen. Irgendwas haben wir da wohl richtig gemacht", grinst Sänger Gromberg, der gemeinsam mit Wolf Hagen (49), Bass, Rumen Belmondo (25), Gitarre und Saxophon, Olli Western (40), Keyboards, und Denny Goldini (22), Schlagzeug, "Western und Hagen" bildet.

Eingefleischte Westernhagen-Fans

Komplettiert wird die Gruppe durch Wolfgang Wucher (40). Bei Konzerten sorgt dieser am Mischpult für die richtige Klangabstimmung auf der Bühne. Dem Vorurteil, dass die Rolle des Mischers weniger wichtig sei, als die der Musiker, treten die Bandmitglieder energisch entgegen. So trage der Mischer in jedem Fall eine große Verantwortung. "Es ist einfach beruhigend zu wissen, dass wir uns voll und ganz auf den Bühnensound verlassen können", erklärt Bassist Wolf Hagen. Genau wie seine Kollegen ist auch Mischer Wolfgang Wucher ein eingefleischter Westernhagen-Fan, kennt die Lieder des Rockers in- und auswendig.

Umfangreiche Setliste

Favoriten der Band sind allerdings weniger die aktuellen Stücke, bevorzugt werden stattdessen die Westernhagen-Songs aus den 80er Jahren. Ob 'Mit 18', 'Dicke' oder 'Nimm mich mit': Die Setliste der Tributband ist umfangreich. "Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass Marius heute nicht mehr 'Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz' singen will", sagt Sänger Gromberg. "Aber vor allem bei diesen Songs ist unser Publikum besonders abgegangen." Für die neueren Stücke dagegen hätte es lediglich einen "netten Applaus" gegeben.

Cover-Songs mit Eigendynamik

Beim Covern halten sich die Bandmitglieder jedoch nicht immer nur exakt an das Original. Mal wird auch die Hintergrundmusik eines Songs ein wenig verändert, so dass dieser eine gewisse Eigendynamik erhält. Bedacht sind "Western und Hagen" allerdings darauf, dass der Wiedererkennungswert der Stücke erhalten bleibt. "Wir wollen die Songs nicht so lange zerpflücken, bis sie irgendwann zur Zumutung werden", so Gromberg - und die anderen nicken zustimmend.

Große Altersspanne

Ungewöhnlich groß ist die Altersspanne zwischen den Mitgliedern der Langenfelder Band: Schlagzeuger Goldini ist mit 22 der jüngste, Bassist Hagen mit 49 Jahren der älteste der Musiker. Ob es deswegen Verständigungsprobleme zwischen den Generationen gibt? Mitnichten. "Das hat mit der Magie der Musik zu tun", erklärt Sänger Gromberg das Phänomen. "Musizieren an sich ist eben zeitlos." Weiteres zu "Western und Hagen" gibt es im Internet unter der Adresse www.westernundhagen.de. Neben aktuellen Konzertankündigungen finden Interessierte hier verschiedene Bildergalerien sowie den Kontakt für Bookinganfragen.



Interview
Publikum hat Mitspracherecht

LANGENFELD. Mike Gromberg (39) ist der Frontmann der Langenfelder Tributband "Western und Hagen". RP-Mitarbeiter Holger sprach mit ihm.

Haben Sie keine Angst, dass es Ihnen irgendwann langweilig wird, nur Westernhagen-Songs zu covern?

Gromberg: Nein. Denn wenn ich zum Beispiel etwas Englisches singen oder eine andere Musikrichtung spielen möchte, dann tobe ich mich in anderen Projekten jenseits von "Western und Hagen" aus. Für mich persönlich ist unsere Tributband im Moment erstmal der ganz große Spaß, weil wir beim Debütkonzert erfahren durften, dass hier in Nordrhein-Westfalen anscheinend ein richtig großer Markt für diese Musik vorhanden ist. Ein Markt, der jenseits des Originals Westernhagen liegt. Ich gebe uns in der Tat eine realistische Chance, in den nächsten drei Jahren damit deutschlandweit so richtig Ramba Zamba zu veranstalten.

Das bedeutet, Sie arbeiten darauf hin, die Musik zum Beruf zu machen?

Gromberg: Um nebenbei etwas Geld zu verdienen, ist die Tributband genau richtig. Mit einer solchen Sache in Deutschland dagegen seinen kompletten Lebensunterhalt finanzieren zu können, ist nahezu unmöglich. Vor dieser Vorstellung kann ich nur warnen.

Nimmt die Band auch Songvorschläge aus dem Publikum entgegen?

Gromberg: Natürlich. "Western und Hagen" lebt in erster Linie von der Kommunikation zwischen den Bandmusikern und den Zuschauern. Als Tributband ist man deswegen immer gut beraten, wenn man versucht, dem Publikum ein gewisses Mitspracherecht zu geben. Nach unserem ersten Konzert hatten wir zum Beispiel direkt drei Anfragen für neue Stücke. Ich befürchte, unser Songkatalog wird mit der Zeit immer größer werden. (lacht)

Unternehmen Sie in Ihrer restlichen Freizeit auch schon einmal privat etwas mit Ihren Bandkollegen?

Gromberg: In welcher restlichen Freizeit? Die Musik nimmt meine komplette Freizeit ein. Mein Leben ist voll - und zwar positiv voll. Und darauf bin ich auch stolz.

Und was sagt Ihre Familie dazu?

Gromberg: Die kennen das nicht anders - und akzeptieren das voll und ganz. Wenn ich nicht ausreichend Musik mache, dann werde ich unerträglich. Man sagt mir nach, dann verändere sich mein Tonfall und ich würde sarkastischer. In solchen Situationen passiert es dann auch schon einmal, dass meine Frau sagt: 'Sieh mal zu, dass du wieder in den Proberaum gehst - du nervst!'"



Infokasten
Erfolgreiches Debütkonzert

Die Tributband "Western und Hagen" gründete sich im Dezember 2005. Ihr erfolgreiches Debütkonzert gaben die fünf Langenfelder im Mai 2006 in Düsseldorf bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Sportvereins TUSA 06. Kürzlich waren sie außerdem beim städtischen ZNS-Fest in der Fußgängerzone zu sehen. Die nächsten Auftritte sind für Ende Sommer geplant, unter anderem in Solingen sowie erneut in Düsseldorf und Langenfeld.


Erschienen in:
Rheinische Post / Langenfeld, 29.06.2006.